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Ein Leben zwischen Anden und Tiefland


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Tiwanaku


Kurz vor der Grenze zu Peru nahe des Titicacasees hatte einst die wohl fortschrittlichste Zivilisation der Zentralanden ihre Hauptstadt und ihr religiöses Zentrum, Auf einer Siedlungsfläche von 3 Quadratkilometern lebten schätzungsweise 20.000 Einwohner, die sich vom Ackerbau ernährten. Nach jahrhundertelanger Zerstörung und Plünderung, die bereits von den Spaniern begonnen wurde, findet man heute in der Ruinenstätte Tiwanaku nur noch wenige Überreste der untergegangenen Kultur.

Folgt man der inzwischen durchgehend geteerten Verbindungsstrasse von La Paz nach Puno (in Peru), so erreicht man nach ca. 60 km die Abfahrt nach rechts zur Ruinenanlage. Auf dieser Strecke ist immer wieder Vorsicht geboten, da die am Titicacasee ansässigen Bauern des öfteren recht militant streiken. Das äußert sich dann darin, dass sie die Strassen mit Geröll sperren oder Autos und Busse mit Steinen bewerfen bzw. sogar beschiessen. Man sollte sich in La Paz also auf jeden Fall nach der aktuellen Situation erkundigen und eventuell nur in einem Konvoi (wird meist von Militär begleitet) in Richtung Peru fahren.

Plan der Ruinenanlage TiwanakuIm Zentrum von Tiwanaku lag eine bedeutende Kultstätte, die weithin als Wallfahrtsort bekannt war. Obwohl hier schon die frühen Vertreter der Tiwanaku-Kultur rund 1000 Jahre vor unserer Zeitrechnung gelebt hatten, sind die Tempel und Stelen in einer Zeit zwischen 700 und 1200 entstanden. Der verwendete Basalt und Sandstein stammt aus Steinbrüchen, die sich viele Kilometer entfernt befanden. Bis hinein in unser Jahrhundert schenkte man der historischen Bedeutung dieses Ortes nur wenig Aufmerksamkeit und strafte ihn mit Ignoranz. Die fein gearbeiteten Gesteinsblöcke mußten herhalten für den Bau der üppigen Barockkirchen in La Paz und auch noch später wurde die Anlage von Tiwanaku beim Bau der Eisenbahnlinie als Steinbruch mißbraucht.

Mauer der KalassasayaObwohl erst ein Sechstel der Stadt ausgegraben wurde, versetzt Tiwanaku jeden Besucher in Staunen. Seit einiger Zeit befindet sich der Eingang zur Ausgrabungsstätte im Süden der Anlage, gegenüber dem Regionalmuseum. Dieses bietet einen guten Überblick über die verschiedenen Schaffensepochen und zeigt neben vielfältigen Keramikfunden auch Steinskulpturen, wie etwa den schwarzen Puma. Im Zentrum der Ausgrabungsstätte befindet sich der Kalassasaya, ein offener Tempel auf einer um 3m erhöhten Plattform, die nach astronomischen Gesichtspunkten angelegt wurde. Eingefaßt wird diese fast quadratische Anlage von einer weitgehend rekonstruierten Mauer aus gewaltigen Monolithen. Vor der Westmauer erstreckt sich der Putuni, ein von Steinwänden umrahmter Innenhof.

Detail der Puerta del SolIm Innern der Kalassasaya erblickt man die berühmte Puerta del Sol, die sich vormittags im besten Licht präsentiert. Während sich auf der schmucklosen Rückseite des ca. 44 t schweren Andesitblocks nur leere Nischen und Wandfelder befinden, ist die nach Osten zeigende Vorderseite mit einem Schmuckfries im Basisrelief verziert, der zu den herausragendsten Leistungen präkolumbianischer Künstler in Südamerika zählt. In drei Reihen streben von beiden Seiten menschlich-tierische Mischwesen auf eine zentrale Figur zu, die mit dem Sonnengott in Zusammenhang gebracht wird, aber auch als Donnergott oder als Schöpfergott Viracocha interpretiert werden kann. Die zentrale Gottheit hält zwei Zepter (Stäbe in der Form von Schlangen, die in einem Vogelkopf enden) in den Händen. Der in Wassertropfen und Pumaköpfen auslaufende Strahlenkranz repräsentiert angeblich einen agrarischen Kalender, wobei die zwölf tropfenförmigen Strahlen für die Monate des Jahres stehen.

Monolite FraileIn der Südwestecke wurde der Monolite Fraile aufgerichtet, ein Monolith aus rötlichem Gestein, der anfangs wegen seiner Kopfbedeckung als Mönch interpretiert wurde. In den Händen hält er ein Zepter und einen kultischen Trinkbecher. Auffallend ist neben seinem Gürtel aus Krebsen die unnatürlich verdrehte rechte Hand, die Anlass zu reichlich Spekulationen gibt. Auch der gut erhaltene Ponce-Monolith hat diese seltsam verdrehte Hand. Die knapp 3 m große Andasitfigur ist am ganzen Körper übersät mit Motiven, die im wesentlichen der Symbolik am Puerta del Sol ähneln. Wegen der Zöpfe, die in Vogelköpfen enden, wurde spekuliert, dass die Figur weiblich sei. Der gefleckte Rock könnte ein Jaguarfell darstellen. Als die Spanier diesen Monolithen fanden, ordneten sie ihn einer heidnischen Religion zu. Doch anstatt ihn zu vernichten, wurde er getauft, indem man ein christliches Kreuz in die rechte Schulter einritzte.

Steinköpfe im Templete SemisubterráneoVom Ponce-Monolithen blickt man durch das Ostportal zum Templete Semisubterráneo, dem halbunterirdischen Tempel, der zwar schon 1903 entdeckt, aber erst 1960 freigelegt wurde. Die Wände sind verziert mit eingefügten Steinköpfen, von denen sich allerdings nur zwei an der Originalstelle befinden. Einer Theorie nach handelt es sich dabei um die nachgebildeten Schädel der besiegten Feinde. Im Zentrum stehen drei Stelen, von denen die größte auch als der Bärtige Monolith bekannt ist. Dargestellt ist eine Figur mit kreisrunden Augen, wulstigen Lippen und darunter erkennt man zwei Raubkatzen.

Auf dem Weg zurück zum Eingang kommt man am Akapana-Hügel vorbei, der rund 18 m in die Höhe ragt und von dem bislang nur Teile der beiden Stirnseiten freigelegt wurden. Noch ist zu klären, ob hier ein vorhandener Hügel überbaut oder ob ein künstlicher Hügel zur Verehrung der Götter aufgeschichtet wurde.




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