Startseite Zurück zur Kontinentauswahl Ein Leben zwischen Anden und Tiefland Im Reich der Inka
Gefällt mir
 
 
Kurze Landesinformationen Ausführliche Beschreibungen von: Tiwanaku, La Paz, Sajama-Nationalpark Einreise, Adressen, Gesundheit, Sicherheit, Feiertage, Hinweise Bildgalerie mit zahlreichen Fotos

Ein Leben zwischen Anden und Tiefland


Tiwanaku Vorheriger Tipp Highlight-Übersicht Nächster Tipp Sajama-Nationalpark


La Paz


Vor der eindrucksvollen Kulisse des 6322 m hohen Schneeberges Illimani schmiegt sich die bolivianische Metropole in das tief eingeschnittene Tal des Río Choqueyapu. Mit etwa 1.2 Millionen Einwohnern ist La Paz bei weitem die größte Stadt Boliviens, nicht aber seine Hauptstadt. Dieser Titel kommt zwar Sucre zu, aber die Geschicke Boliviens werden dennoch von hier aus gelenkt.

Rundgang durch La PazLa Paz ist eine Stadt der Kontraste. Das Zentrum der höchstgelegenen Millionenstadt der Welt liegt auf rund 3650 m Höhe, doch wer es sich leisten kann, residiert weiter talwärts, wo das Klima milder ist. Die Vorteile der geschützten Tallage erkannten schon die Spanier und so gründeten sie 1548 die Stadt. Auch wenn sich die Annahme, in der Gegend Gold zu finden, nicht bestätigte, entwickelte sie sich rasch zu einem wichtigen Stützpunkt auf der Handelsroute von Potosi nach Lima. Viele Gebäude wurden zerstört, als La Paz 1781 zweimal von Aymara-Kriegern belagert wurde und auch im Kampf um die Unabhängigkeit war es einer der Hauptschauplätze.

Getrocknete Lamaembryos auf dem HexenmarktFür einen Stadtbummel durch La Paz, den man bequem zu Fuss unternehmen kann, sollte man schon einen ganzen Tag einplanen. Auffälligster Orientierungspunkt ist die direkt an der Hauptstraße liegende Kirche San Francisco, mit ihrer aufwendig gestalteten Fasade das wohl bedeutendste Gotteshaus der Stadt. Indianische Steinmetze haben die Kirchenfront mit zahlreichen tropischen Blumen, Früchten, Vögeln, Pumaköpfen und menschlichen Fratzen kunstvoll verziert. Folgt man vor der Kirche rechts hinauf der steil ansteigenden Calle Sagárnaga, so kommt man direkt zum Mercado de Hechería, dem bekannten Hexenmarkt. Dort werden neben getrockneten Lamaembryos und allerlei Heilkräutern auch die unterschiedlichsten Glücksbringer angeboten. Die verwendeten Lamaembryos sollen alle Tod-Geburten sein und bringen angeblich, vergraben im Fundament, beim Hausbau Glück. Das Fotografieren sollte man hier mit Vorsicht handhaben und immer erst bei den betreffenden Personen nachfragen. Wer bis jetzt noch kein Souvenir hat, wird auf dem Hexenmarkt auf jeden Fall fündig und bekommt es nach ein wenig Feilschen auch zum fairen Preis.

Statue auf dem Plaza MurilloAuf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße liegt die koloniale Altstadt. Ihr Zentrum bildet die Plaza Murillo, benannt nach dem ersten Freiheitskämpfer des Landes, der hier 1810 öffentlich hingerichtet wurde. Das Standbild in der Mitte des Platzes soll den Ex-Präsidenten Gualberto Villaroel zeigen, der hier 1945 gehängt wurde. Eine kleine Anekdote am Rande, von der ich aber nicht genau weiss, ob sie auch stimmt: Angeblich wurde die Statue zusammen mit der eines berühmten Stierkämpfers angefertigt, die für Perus Hauptstadt Lima bestimmt war. Beim Transport sind die beiden Statuen vertauscht worden, so dass der Stierkämpfer nach La Paz und der Ex-Präsident nach Lima kam und auch beide aufgestellt wurden. Da ein erneuter Transport zu kostspielig ist, stehen angeblich auch heute noch die zwei Statuen in den verkehrten Städten.

Ehrengarde vor dem PräsidentenpalastBeherrscht wird die Plaza von der eindrucksvollen Kathedrale an der Südwestseite, deren Bau 1835 begonnen wurde, aber bis heute unvollendet ist. Links neben der Kathedrale wacht ordentlich aufgereiht eine Ehrengarde in historischen Uniformen vor dem Eingang des Präsidentenpalastes. Schräg gegenüber schließt sich das Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Parlamentsgebäude an, das sowohl das Abgeordnetenhaus als auch den Senat beheimatet. Im Westen wird die Kathedrale vom Palacio de los Condes flankiert, in dem heute das Museo Nacional de Arte untergebracht ist. Um den großen Innenhof sind im Nationalen Kunstmuseum auf drei Stockwerken sowohl Ausstellungen zeitgenössischer Künstler wie auch Werke des Spät-Renaissance-Künstlers Melchor Pérez zu bewundern.

Glocke in der Iglesia Santo DomingoVor dem Museum beginnt die Fussgängerzone Calle Comercio, über die man zur Iglesia Santo Domingo gelangt. Im Innern eher nüchtern, verfügt die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaute Kirche, die von 1830 bis 1932 der Stadt als Kathedrale diente, ebenfalls über eine sehenswerte Fassade im Mestizo-Stil. Man sollte auch ruhig mal der Glockenaufhängung im Turm einen Blick schenken.

In der nahe gelegenen Calle Jaén, einer liebevoll restaurierten Gasse, fühlt man sich mit einem Schlag in die Kolonialzeit zurückversetzt. Hier reihen sich direkt vier Museen - die Museos Municipales - aneinander. Zum einen das Museo Casa Murillo (Wohnhaus des Freiheitskämpfers Don Pedro Domingo Murillo), das Museo de Metales Preciosos Precolombinos (Museum wertvoller präkolumbianischer Metalle), das Museo del Litoral (Museum des Küstengebietes) und als letztes das Museo Costumbrista Juan de Vargas, mit einer Austellung von lebensechten Dioramen zur Geschichte und dem Alltagsleben.

Strom oder Telefon?Wer mit offenen Augen durch La Paz schlendert, dem werden auch immer wieder die chaotischen Verhältnisse der Oberleitungen auffallen, die sich an Hauswänden sammeln oder als mit Pflanzen überwucherte Knotenbälle an Pfosten präsentieren. Was hier nun Strom, Telefon oder sonstiges ist, weiss wohl niemand mehr so genau. Ich glaube ja, dass man die alten Leitungen gar nicht repariert, sondern sich hier jeder seine eigene neue Leitung durch die Stadt zieht :-)

Das Mondtal bei La PazNur etwa 10 km vom Stadtzentrum entfernt liegt im Südosten das bekannte Valle de la Luna (Mondtal), das mit seinen bizarren Erosionsformationen hübsche Fotomotive bietet. Leider sieht sich auch diese Gegend immer mehr dem wachsenden Besiedlungsdruck ausgesetzt und so scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis das ohnehin nur kleine Gebiet völlig verschwinden wird. Die Anfahrt führt vorbei an Villenvierteln im unteren Teil der Stadt zu einem kleinen Freizeitpark mit Grillmöglichkeiten. Im Hintergrund erkennt man eine exponierte Felsnadel, die im Volksmund Muela del Diablo (Backenzahn des Teufels) genannt wird. Wer mit gutem Schuhwerk unterwegs ist, sollte es sich nicht nehmen lassen, zum Talboden auf der rechten Seite der Strasse hinunterzuklettern und in Ruhe zwischen den Felsnadeln zu wandern.




Tiwanaku Vorheriger Tipp Highlight-Übersicht Nächster Tipp Sajama-Nationalpark