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Die letzten Wildpferde


Anfahrt zur WildpferdebahnEinige Kilometer westlich der Stadt Dülmen breitet sich das Merfelder Bruch aus. In diesem weitläufigen Wald-, Moor- und Heidegebiet hat sich das einzige Wildpferdegestüt des europäischen Kontinents erhalten. Bereits in einer Urkunde des Jahres 1316 werden die Wildpferde erwähnt. Damals sicherte sich der Herr von Merfeld in diesem Gebiet neben Fischerei und Jagd auch das Recht an den »Wilden Pferden«. Aus der Tatsache, daß sich schon um 1300 ein Recht an den Pferden herausgebildet hatte, können wir mit Sicherheit schließen, daß es sie schon lange vor dieser Zeit im Merfelder Bruch gab.

Das Merfelder Bruch umfaßte ursprünglich eine Fläche von 4000 ha, in deren Besitz und Bewirtschaftung sich der Gutsherr und die Bauern von Merfeld teilten. Noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts gab es in Westfalen mehrere Wildbahnen. Mit der Teilung der Marken und dem Wachsen der Siedlungen verschwanden diese aber nach und nach. Daß die Teilung der gemeinschaftlichen Gründe des Merfelder Bruches zwischen 1840 und 1850 nicht das Ende der Wildpferde bedeutete, ist das Verdienst der Herzöge von Croy. Diese ließen damals die dort noch lebenden Pferde einfangen und boten ihnen Lebensraum in der Wildpferdebahn.

Die eingegatterte Wildpferdebahn "Merfelder Bruch" umfaßt heute eine Fläche von rund 350 ha oder 3,5 qkm. Auf Weide, Moor, Heide, Birkengestrüpp und Hochwald mit Nadelwäldern und Eichenbeständen - teilweise mit Urwaldcharakter auf dem Geschiebelehm des ehemaligen Lippetals - finden die Wildlinge abwechslungsreiche Nahrung und Deckung.Wildpferde im Merfelder Bruch In den Sommermonaten (1. März-1. Nov) ist die Wildpferdebahn an Wochenenden und Feiertagen bei gutem Wetter von 10 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet (2.50 €). Besuchergruppen haben die Möglichkeit, bei rechtzeitiger telefonischer Terminvereinbarung auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten und unter sachkundiger Führung die Wildpferde in freier Natur zu beobachten. Die Herde zählt mit Fohlen im Durchschnitt 300 Tiere. Die Pferde haben ein Stockmaß von 1,30 m bis 1,35 m. Sie leben ohne Zufütterung das ganze Jahr über im Freien; nur bei Frost und Schnee werden sie über einige Futterstellen mit Heu aus der Wildbahn versorgt. Sie brauchen keinen Stall. Unterstand vor widriger Witterung finden sie in den Wäldern; in der kalten Jahreszeit schützt ihr dickes Winterfell. Die Wildlinge sind ganz sich selbst überlassen und müssen mit Krankheiten und Geburten ohne menschliche Hilfe fertig werden. Sie unterliegen einer natürlichen Selektion. Diese harten Bedingungen haben das Dülmener Wildpferd" zu einer der anspruchslosesten und härtesten Rassen geprägt.
Rundgang durch die Wildpferdebahn
Die Dülmener Wildpferde können aber zoologisch gesehen nicht mehr als reine Wildpferde eingestuft werden. Alle lassen mehr oder weniger die Merkmale der Domestizierung und Zuchteinflüsse erkennen, die schon äußerlich in der Hängemähne und dem Stirnschopf zum Ausdruck kommen. Das Auftreten von Tieren mit mausgrauer und falber Färbung läßt aber auf reichlich vorhandenes Blut der Urwildpferde schließen. Die Falben gehen zurück auf das mongolische Wildpferd, auch Przewalskipferd genannnt, während die Grauen das Blut des Tarpan führen, jenes südrussischen Pferdes, das man sehr lange als letztes echtes Wildpferd Europas ansah. Die beiden Gruppen zeigen außerdem an den Vorderbeinen und Hinterbeinen schwarze Zebrastreifen sowie ein Schulterkreuz. Als Primitivpferd tragen sie den schwarzen Aalstrich, der aus der Mähne kommend über den Rücken in den Schweif verläuft. Die dunkelbraunen Exmoorpferde erkennt man an dem Mehlmaul, an den hellen Augenringen, den hellen Flanken und dem aufgehellten Hinterteil.

Pferd mit grauer FärbungDie ca. 300 Pferde leben in einem lockeren Herdenverband. Es handelt sich fast ausschließlich um Stuten, die von einer Leitstute geführt werden. Die Hengstfohlen werden einjährig beim Wildpferdefang ausgesondert, weil sie sonst von dem anschließend eingesetzten Deckhengst bekämpft und vertrieben würden. Die Herde gliedert sich in Familien auf, die von der jeweils ranghöchsten Mutterstute angeführt werden. Es folgen dann ihr Fohlen und weitere Mitglieder der Familie. Wenn die Herde die Weidegründe wechselt oder die Tränke aufsucht, sieht man die einzelnen Sippen in ihrer Rangfolge ziehen. Es werden Hengste eingesetzt, die den Fortbestand der Herde sichern. Die Stuten werden wenige Tage nach der Geburt bzw. drei Wochen später rossig. Nach elfmonatiger Tragezeit fallen die Fohlen dann in der warmen Jahreszeit mit ihrem reichen Nahrungsangebot.

Galoppierende Pferde sieht man selten. Meist sind sie mit dem Grasen beschäftigt, da sie nur einen kleinen Magen haben. (Der Magen des wiederkäuenden Rindes ist mit 200 Liter Volumen ca. 10x so groß.) Sie ruhen gewöhnlich im Stehen. Die Fohlen hingegen halten liegend ihren Tiefschlaf. Stets wachen einige Tiere aufmerksam, um die Herde bei Gefahr zu warnen. Bei Hitze steht die Herde dichtgedrängt im Freien, möglichst an einer windigen Stelle im Gelände, und hält sich schweifwedelnd die Fliegen fern. Dagegen suchen die Tiere bei Regen Schutz im Wald. Ansonsten wird der Wald nur ungern aufgesucht, da die Tiere instinktmäßig (Steppentier) ein Gelände mit Fluchtmöglichkeiten vorziehen. Bei Ortswechseln ziehen die Pferde in ausgetretenen Wechseln (Spurpfaden), die sich als sicher bewährt haben. Diese Pfade schlängeln sich, so dass alle Pferde aneinander vorbeischauen können und somit die Gruppe sichern. Die Stute fohlt innerhalb von wenigen Minuten. Einige ältere Familienmitglieder stehen dann bei der Mutterstute und sichern instinktmäßig Mutter und Fohlen vor Feinden. Kranke Tiere sondern sich schnell von der Herde ab und ziehen sich zurück. Das gegenseitige Beknabbern ist dagegen Zeichen höchsten Sozialverhaltens. Unruhe bringen eifersüchtige Stuten und der Deckhengst in die Herde. Lebhaft sind besonders die heranwachsenden Fohlen: sie messen im Spiel ihre Kräfte, ihre Geschicklichkeit und Schnelligkeit.

WildpferdeDer "Dülmener" ist klug und von gutem Charakter, genügsam und ausdauernd und erreicht ein hohes Alter. Er ist als unkompliziertes Freizeitpferd recht beliebt. Die Jährlingsfohlen sind bei richtiger Behandlung sehr schnell zahm. Nach gründlicher Vorbereitung werden sie drei- bis vierjährig als Kutschwagenpferde eingespannt oder dienen vor allem Kindern und Jugendlichen als Reitpferd.

Jahr für Jahr werden am letzten Sonnabend im Mai die einjährigen Hengste beim traditionellen Wildpferdefang vor vielen tausend Zuschauern eingefangen und anschließend versteigert. Stuten dagegen werden nicht veräußert - In der Wildbahn geboren, beenden sie auch hier ihr Leben. Nach dem Abfangen der Hengstfohlen wird im Anschluß an die Versteigerung ein Deckhengst eingesetzt, der bis zum Herbst bei den Stuten verbleibt. In der reizvollen Landschaft der Münsterschen Bucht haben zwischen Moor und Heide die Wildlinge bisher alle Stürme der Zeit überstanden. Dem Traditionsbewußtsein der Herzöge von Croy ist es zu verdanken, daß uns im Zeitalter der Technik die Wildpferdebahn als einzigartiges Naturdenkmal aus der Vorzeit erhalten geblieben ist.




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