Startseite Zurück zur Kontinentauswahl Der Daumen Arabiens Zwischen Orient und Küstentrubel
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Kurze Landesinformationen Ausführliche Beschreibungen von: Doha, Festungen/Forts, Inlandsee Khor Al Udaid, Mystery Valley + Film City, Mangrovenhalbinsel Ras Umm Saa, Felsgravuren Al Jassassiya, Singing Sand Dunes, Ruinenstadt Al Gamel Genaue Reiseberichte Einreise, Adressen, Gesundheit, Sicherheit, Feiertage, Hinweise Bildgalerie mit zahlreichen Fotos

Der Daumen Arabiens


Die kleine erdölreiche Halbinsel im Persichen Golf ist bei Touristen bislang noch relativ unbekannt bzw. weitestgehend unbeachtet. Eigentlich auch kein Wunder, fehlen hier doch die sonst so typischen touristischen Sehenswürdigkeiten und liegt das bei Touristen viel bekanntere und beliebtere Dubai in unmittelbarer Nähe.
Auch wenn die karg und trostlos anmutende Landschaft von Qatar auf den ersten Blick nicht viel zu bieten hat, so kann man in dem aufstrebenden Emirat im Rahmen eines Kurzurlaubes doch einiges entdecken und erleben. Neben alten Festungsanlagen, einsamen Stränden, mangrovengesäumten Küsten, atemberaubenden Dünenlandschaften und dazu im Kontrast stehender modernster Architektur bekommt man in Qatar vor allem auch einen eindrucksvollen Einblick in die arabische Kultur.



Fläche: 11.427 km²
Einwohner: ca. 850.000
Hauptstadt: Doha
Amtssprachen: Arabisch, Englisch
Währung: Qatar Riyal (QAR)
Zeit: MEZ +2 Std.; MESZ +1 Std.


Karte von Qatar

Die schmale Halbinsel Qatar gehört zu den Golfstaaten und grenzt im Süden an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie ist etwa 170 Kilometer lang und bis zu 80 Kilometer breit. Die Topographie von Qatar ist überwiegend flach und von Geröll-und Kieswüste geprägt. Salzsümpfe und Wüstenstreifen trennen Qatar im Süden von der Arabischen Halbinsel. Von hier aus steigt das Gebiet nach Norden zu einem flachen Kalksteinplateau an, das eine maximale Höhe von 106 Metern erreicht. Der Nordwesten ist hügelig, der Rest des Landes besteht aus Sand, Dünen und Salzebenen mit wenig Vegetation im Norden. Im Südosten befindet sich die Meereslagune Khor Udaid. Besonders der Ostseite der Halbinsel sind zahlreiche Korallenriffe vorgelagert.

Mit Jahresniederschlag von unter 100 mm zählt Qatar zu einer der trockensten und wasserärmsten Landschaften der Erde. Das Klima ist ganzjährig subtropisch, heiss und bei Luftfeuchtigkeiten von ca. 85% sehr schwül. Im Sommer (Juni-September) liegen die Temperaturen zwischen 35°C und 45°C, im Winter zwischen 17°C-25°C. Während es im Sommer durchgehend trocken ist, kann es im Winter auch mal regnen. Der Frühling und Herbst liegen mit angenehm warmen Temperaturen dazwischen und sind daher als Reisezeit auch am besten geeignet.

Qatar wurde während der Steinzeit von Jägern und Sammlern bewohnt, doch wurde das Land aufgrund der zunehmenden Austrocknung seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. von den Menschen verlassen und in den folgenden Jahrtausenden nur sporadisch besiedelt. 628 schlossen sich die Bewohner Qatars dem Propheten Muhammad an und traten zum Islam über. Auf Grund des fehlenden Wassers hatte das kleine Land, welches nur von Beduinen bewohnt war, aber auch in der Folgezeit kaum irgendeine Bedeutung. Um 1760 wanderten die Sippen der Al Thani und Al Chalifa ein und in der Folgezeit kam es immer wieder zu heftigen Machtkämpfen der beiden Stämme. Während die Al Chalifa auf der Insel Bahrain Fuss fassten, ließen sich die Al Thani im heutigen Doha nieder. Die Kämpfe dauerten jedoch noch lange Zeit an und bis weit in die 50er Jahre des 19. Jh. war die Küste von Qatar wie die der heutigen Vereinigten Arabischen Emirate berüchtigt als „Piratenküste“. Erst das Eingreifen der britischen Ostindien-Kompanie, die ihre Handelswege nach Indien bedroht sah, bereitete der Seeräuberei ein Ende. 1867 kam es erneut zu einem heftigen Kampf um die Herrschaft in Qatar zwischen den Al Thani und den Al Chalifa von Bahrain. Großbritannien intervenierte und erzwang einen Frieden. Im folgenden Jahr wurde ein Schutzvertrag zwischen Qatar und Großbritannien abgeschlossen, wodurch das Land unter britischen Einfluss geriet. Diese Anerkennung der Al Thani führte zu einer endgültigen Trennung von Qatar und der Insel Bahrain. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchten die Osmanen ihre Ansprüche auf Qatar verstärkt durchzusetzen und bestzten Teile des Landes. Großbritannien schritt 1913 erneut ein, um den osmanischen Einfluss und den der Wahabiten auszuschalten. 1915 mussten die letzten osmanischen Truppen das Land verlassen. Das Aufkommen japanischer Zuchtperlen liess ab 1930 den Perlenhandel im Golf zusammenbrechen und die folgende schwere Wirtschaftskrise zwang viele Qatarer zur Auswanderung. Allerdings erfolgten schon 1939 die ersten Erdölfunde, wodurch die Ölförderung bald das neue wirtschaftliche Standbein Qatars wurde. Mit dem wachsendem Reichtum ging auch eine tiefgreifende Modernisierung in Staat und Wirtschaft vor sich. Als Ende der 60er Jahre die Briten den Abzug der Truppen „östlich von Sues“ für 1971 ankündigten, proklamierte Qatar am 1. September 1971 seine Unabhängigkeit und lehnte damit, wie Bahrain, einen Anschluss an die Vereinigten Arabischen Emirate ab. Auch nahmen die Scheichs von Qatar nun den Titel eines Emirs an. Schon 1972 wurde Emir Ahmad ibn Ali durch Chalifa ibn Hamad (1972–1995) gestürzt, der sich in der Folgezeit verstärkt um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Ansiedlung von Industrie bemühte. Die absolute Herrschaft der Dynastie blieb aber weiter bestehen. 1977 wurden alle Erdöl- und Erdgasgesellschaften verstaatlicht. 1981 wurde mit Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait der Golf-Kooperationsrat gegründet. 1995 wurde Chalifa ibn Hamad von seinem Sohn Hamad ibn Chalifa (seit 1995) gestürzt, der mit der Einleitung von Reformen begann. Seit 1998 ist Qatar der Sitz des Hauptquartiers der US-Truppen im Nahen Osten und war auch Kommandozentrale im Krieg der USA gegen den Irak im März 2003.Zum Seitenanfang

Der Perlenhandel war seit der Dilmunkultur 3200 v.Chr. die wichtigste Einnahmequelle Qatars, bevor die Naturperlen durch billigere Zuchtperlen ersetzt wurden und viele Menschen dadurch ihre Existenzgrundlage verloren. Als 1938 erstmals Öl am Jabal Dhukan gefunden wurde, bot sich Qatar die Chance einer neuen Einnahmequelle, um die Verluste durch den zusammengebrochenen Perlenhandel auszugleichen. Das Land wurde stark modernisiert und quasi aus dem Mittelalter direkt in die Neuzeit katapultiert. Qatar zählt heute laut seinem jährlichen Bruttonationaleinkommen zu den reichsten asiatischen Ländern. Der Reichtum Qatars liegt dabei im Erdgas- und Erdölsektor begründet. Das Land besitzt nach dem Iran das drittgrößte Erdgasvorkommen der Erde und die seit 1991 genutzten Erdgasvorkommen am Persischen Golf gelten derzeit als die größte Naturgaslagerstätte der Welt. Qatar hat sich zudem in den letzten Jahren eine weltweit führende Rolle in der Gasverarbeitung erarbeitet. Das Zentrum der Gasindustrie ist die im Norden gelegene Ras Laffan Industrial City. Weitere Einnahmequellen sind Düngemittel sowie die bezahlte Bereitstellung von Truppenlagerplätzen und Ruhezonen für die US Army. Die Landwirtschaft kann trotz ehrgeiziger Regierungsprojekte die Inlandsnachfrage nur zu einem geringen Prozentsatz decken. Lediglich 0,3% des Staatsgebiets sind als Ackerland ausgewiesen, das künstlich bewässert werden muss. Hauptanbauprodukte sind Tomaten, Kürbisse, Getreide, Datteln, Gemüse und Zitrusfrüchte. Die einst rein nomadische Viehwirtschaft wurde durch den Aufbau von Viehfarmen umstrukturiert. Der Fischfang wird weiter ausgebaut.

Qatars Bevölkerung ist geprägt von Gastarbeitern, schließlich sind ca. 80% der Einwohner Qatars Ausländer (34% Inder/Pakistaner, 25% aus anderen arabischen Ländern, 16% Iraner, 5% sonstiger Abstammung). Die meisten Qatarer sind Sunniten und gehören der Richtung der Wahhabiten an. In Qatar werden die religiösen Richtlinien des Islam weit weniger strikt interpretiert als etwa im wahhabitischen Nachbarstaat Saudi-Arabien. Unter den Ausländern herrschen Schiiten vor; ferner gibt es einen beträchtlichen Anteil an Hindus und 70.000 Christen. Es besteht in Qtar eine sechsjährige allgemeine Schulpflicht, was zu einer hohen Erwachsenen-Alphabetisierungsrate geführt hat (ca. 90%).

Die Landschaft von Qatar wirkt größtenteils unfruchtbar und verödet. Außerhalb der Oasen wachsen nur im etwas regenreicheren Norden Wüstenhyazinthen, Palmen und Dornbüsche. Nach dem seltenen Regen sprießen Gräser und Kräuter hervor, treiben Blüte und Frucht in sehr kurzer Zeit und verdorren sofort wieder. Auf Grund der fehlenden Vegetation ist auch die Tierwelt wenig vielfältig und es überwiegen Arten, die sich den extrem trockenen Bedingungen entsprechend angepasst haben (z.B. Wüstenspringmäuse, Geckos und Warane). Zusätzlich gibt es ca. 30 einheimische Vogelarten. Während der Wintermonate rasten zudem noch einige Zugvögel an der Nordküste. Für die stark gefährdeten Oryxantilopen, das Nationaltier Qatars, wurde in der Nähe von Doha extra ein Wildpark errichtet, dessen Zutritt nur mit spezieller Genehmigung der Regierung gestattet ist. Im Gegensatz zur Tierwelt an Land sind die Gewässer des Persischen Golfes hingegen sehr fischreich. In den Gewässern rund um die Halbinsel bekommt man manchmal sogar Pottwale, Delfine und die sehr seltenen Seekühe zu sehen. An der Nordküste befinden sich westlich von Ras Laffan Eiablagestrände von Meeresschildkröten.

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